Gießen, 06.04.2016 – Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) sieht sich in ihrer Kritik am Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) angesichts der jüngsten Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), den Garantiezins für Lebensversicherungen ab 2017 auf ein Prozent abzusenken, bestätigt. „Die eklatant niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen sind eine unmittelbare Folge der unseligen Politik von EZB-Präsident Mario Draghi, die Kapitalmärkte mit überbordender Liquidität zu versorgen und in einem Billionen-Euro-Umfang Staatsanleihen aufzukaufen. Da kann die DAV letztlich kaum noch zu anderen Empfehlungen kommen", sagt Joachim Liesenfeld, Vorstand der NAG und dort zuständig für die Deutsche Lebensversicherung.

Viele Millionen Menschen in Deutschland sparen mit Lebens- und Rentenversicherungsprodukten für ihre Altersversorgung und müssen ohnmächtig mit ansehen, wie ihre Ersparnisse infolge dieser EZB-Politik immer mehr an Wert verlieren. Durch die EZB-Politik werden Zinsen dauerhaft auch dort künstlich niedrig gehalten, wo eine risikoadäquate Bewertung durch die Kapitalmärkte einen höheren Zins erfordert. Die Folgen sind für die Lebensversicherer und ihre Kunden gravierend. „Letztlich zahlt der deutsche LV-Sparer die Zeche dafür, dass für Länder wie beispielsweise Italien der Zusammenhang zwischen solider Staatsfinanzierung und erforderlicher Verzinsung ihrer Staatsanleihen praktisch aufgehoben ist", bemängelt Liesenfeld. Auf Dauer werde das der deutsche Lebensversicherungsmarkt nicht verkraften können.
Zudem sorgen die Eigenkapitalanforderungen in Zusammenhang mit der Einführung der Solvabilitätsvorschriften (Solvency II) bei derartigen Niedrigzinsen für einen erheblich steigenden Eigenkapitalbedarf der Lebensversicherungen. Nicht zuletzt ist die vorgeschriebene Bildung der Zinszusatzreserve zur dauerhaften Sicherstellung der Erfüllung der Versichertenansprüche bei extrem niedrigen Zinsen mit erheblichen Transaktionsaufwendungen verbunden.
Die NAG rechnet mittelfristig mit einer Konsolidierung im deutschen LV-Markt. Dieser dürfte mit einem weiteren Rückgang des Niveaus der privaten Altersversorgung in Deutschland verbunden sein. "Angesichts der demographischen Entwicklung in unserem Land ist dies eine sehr Besorgnis erregende Perspektive", meint Liesenfeld. Nicht zuletzt seien viele tausend Arbeitsplätze in den Versicherungsunternehmen akut gefährdet.