Presseerklärung – Gießen, am 07.01.2011

Neue Assekuranz Gewerkschaft begrüßt Absenkung der Garantieverzinsung für Lebensversicherungen und fordert unbefristete Übernahme von Auszubildenden

Renditegier und zu hohe Zinsversprechen verursachen in langen Niedrigzinsphasen enormen Kostendruck bei den Lebensversicherern und gefährden somit die Sicherheit der Arbeitsplätze

Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) begrüßt die Absicht des Bundesfinanzministeriums (BMF) zur Absenkung der Garantieverzinsung in der deutschen Lebensversicherung. „Insbesondere in längeren Niedrigzinsphasen besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Zinsversprechen und der Sicherheit der Arbeitsplätze in den Lebensversicherungsunternehmen“, sagt Waltraud Baier, Vorsitzende des Vorstands der Gewerkschaft. Deshalb ist im gegenwärtigen Umfeld eine deutliche Absenkung der Garantieverzinsung der richtige Schritt.

Allerdings sei durch zahlreiche politische Eingriffe die Attraktivität der Lebensversicherung bereits stark eingeschränkt worden. Zu nennen seien hier insbesondere die veränderte Besteuerung der Ablaufleistungen, die Offenlegung von Abschlusskosten, die Erschwerung der Bildung von Rücklagen zum Ausgleich von ertragsschwächeren Zeiten und stark ansteigende Eigenmittelanforderungen, so Waltraud Baier weiter. Es sei dringend darauf zu achten, die Attraktivität wieder zu steigern. „Sonst wird das Gegenteil vom Gewünschten erreicht: Die Kunden wenden sich dann weniger abgesicherten und riskanteren Produkten zu und setzen somit ihre Perspektive einer gesicherten Altersversorgung aufs Spiel.“

Hinzu komme, dass in lang anhaltenden Niedrigzinsphasen die Einhaltung der versprochenen Garantieverzinsungen von Lebensversicherungen immer schwerer werde. „Wenn dauerhaft mehr gutgeschrieben werden muss, als erwirtschaftet werden kann, kann das letztlich nur aus den Eigenmitteln erfolgen - und die sind endlich“, führt Waltraud Baier aus.

Überzogene Renditeerwartungen der Aktionäre und die fehlende Möglichkeit, am Kapitalmarkt hohe Renditen zu erzielen, haben in den letzten Jahren zu einem radikalen Abbau von Arbeitsplätzen in der Branche geführt. „Darunter leiden am Ende auch die Kunden durch Serviceeinschränkungen und unsere Kolleginnen und Kollegen im Außendienst durch Einkommensverluste“, so Waltraud Baier weiter.

Darüber hinaus seien alle Maßnahmen zu begrüßen, die die Lebensversicherung als dritte Säule der Altersversorgung stärken. Dazu gehöre auch eine Verpflichtung der Eigentümer von Lebensversicherungen, das eingesetzte Kapital nicht nur strikt an Renditeforderungen von Aktionären, sondern verstärkt an den volkswirtschaftlichen Erfordernissen nach einer stabilen und attraktiven Altersversorgung zu orientieren.

Die Versicherungsbranche sollte künftigem Fachkräftemangel durch intelligente Übernahmekonzepte begegnen.

Januar und Februar sind Azubi–Übernahmemonate. Das Versicherungsjournal hat eine Statistik veröffentlicht, nach der noch nicht einmal jeder fünfte Auszubildende unbefristet übernommen wird. Zugleich beklagt sich die Branche über einen akuten Fachkräftemangel und eine hohe Fluktuation bei den jungen Leuten.

„Es fehlen vielfach konkrete Übernahmeversprechen“, moniert Shahdad Amir-Aslani, Mitglied des Gewerkschaftsrats der NAG und zuständig für Ausbildungsfragen. „Außerdem gibt es in den allerwenigsten Unternehmen langfristige Entwicklungspläne zur Anbindung von Ausgelernten in den Versicherungsaußendienst.“ Die NAG strebe an, darüber mit den Arbeitgebern in Verhandlungen einzutreten bzw. die Betriebsräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen in solchen Verhandlungen zu unterstützen.

Dies sei dringend nötig, weil die demographischen Entwicklungen es nahezu verbieten, aufwändig ausgebildeten Nachwuchs an den Wettbewerb bzw. den Arbeitsmarkt zu verlieren. „Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Auszubildenden nur eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten am Arbeitsmarkt im Anschluss an die Ausbildung hatten. Wenn die Versicherungswirtschaft keine hinreichende Perspektive bietet, kommen unsere Auszubildenden mit Kusshand auch in anderen Branchen unter“, meint Shahdad Amir-Aslani.