Die deutsche Lebensversicherung ist derzeit in schwerer See: Die Einführung von Unisex-Tarifen und niedrigerer Garantieverzinsung drücken ebenso aufs Gemüt wie steigende Kapitalanforderungen, die bei Einführung der Regelungen von Solvency II drohen.

Hinzu kommt, dass der Sinkflug der Zinsen insbesondere deutscher Staatsanleihen, in der die Assekuranz überwiegend die Versichertengelder anlegt, eine für Kunden und Aktionäre attraktive Rendite derzeit unmöglich erscheinen lässt. Die sinkenden Zinsen bringen aber für die Versicherer auch weitere erhebliche Folgen mit sich: Die im Kapitalanlagebestand befindlichen Papiere gewinnen an Nominalwert, Bewertungsreserven entstehen. Je niedriger der Zins, desto höher werden diese Reserven. Und die Kunden der Lebensversicherer haben nach dem Versicherungsvertragsgesetz einen Anspruch darauf, dass ihren Verträgen diese Reserven anteilig jährlich gutgeschrieben werden.

„Die jährliche Beteiligung der Lebensversicherungskunden an den Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere sind im gegenwärtigen Zinsumfeld zu einem ernsthaften Problem mutiert", sagt Marco Nörenberg, Lebensversicherungs-Experte der Gewerkschaft und Vorsitzender des Gewerkschaftsrats.

Diese Anlagen seien nicht auf ständigen Kauf und Verkauf angelegt. Vielmehr benötigen die Lebensversicherer die laufenden Erträge aus den Papieren, um ihre lang laufenden Zinsversprechen zu erfüllen. „Die VVG-Vorschriften führen zu dem Kuriosum, dass die Lebensversicherer hochprozentige Papiere in nennenswertem Umfang veräußern müssen, um die jährliche Beteiligung der Versicherten sicherzustellen. Nach dieser Beteiligung müssen die Gelder dann aber am aktuellen Kapitalmarkt wieder angelegt werden – für 2% Rendite oder weniger". Das nütze den vertragstreuen Kunden nicht, es schade ihnen sogar. Daher müsse der Gesetzgeber für den Bereich der festverzinslichen Wertpapiere diese Vorschrift anpassen. Die NAG werde diesbezüglich beim Gesetzgeber initiativ werden.