Erklärung der NAG zur Innendienst-Tarifrunde Versicherungen 

Obwohl die NAG bei der diesjährigen Gehaltsrunde vom Arbeitgeberverband nicht beteiligt wurde, verfolgen wir das Geschehen sehr aufmerksam und wollen uns dazu auch positionieren.

Um es vorneweg zu sagen, wir begrüßen, dass ver.di dem Verhandlungsstand nicht zugestimmt hat. Das Verhalten der Arbeitgeber scheint von dem Selbstverständnis getragen, das Tarifdiktat der vergangenen Jahre – von ver.di leider akzeptiert – fortsetzen zu können und damit auf Kosten der Beschäftigten und nicht zuletzt auch der Steuerzahler weiterhin Gewinnmaximierung zu betreiben.

Die Forderung der Arbeitgeber zur Verschlechterung des Manteltarifvertrages, der sogenannten „leistungsbezogenen“ Variabilisierung von Einkommen, der Herausnahme der übertariflich bezahlten Angestellten aus dem Tarifvertrag, Verschlechterung der Altersteilzeit,

Streichung von arbeitsfreien Tagen, sind konkrete Eingriffe in die Besitzstände der Beschäftigten. Es geht dabei um nichts anderes, als um die Forderung nach einer kollektiven Spende der Beschäftigten an die Unternehmen, denn all diese Errungenschaften haben sie mit Verzicht auf Gehaltserhöhungen bezahlt, was sich für die Unternehmen im Laufe der Jahre mehr als bezahlt gemacht hat. Dabei wird auch gerne vergessen, dass es bereits eine ganze Reihe von temporären Regelungen gab, für die wir Versicherungsangestellten für alle Zeiten auf zusätzliche Bezahlung verzichten mussten, wie Vorruhestand, Anschubfinanzierung usw.

Die fehlende Bereitschaft, die Zahl der Auszubildenden zu erhöhen und mehr von ihnen nach der Prüfung ins Angestelltenverhältnis zu übernehmen, macht in erschreckender Weise deutlich, dass der demografische Wandel offensichtlich bei den Arbeitgebern noch nicht angekommen ist. Einerseits wird von den Wirtschaftsverbänden über den Mangel an Fachkräften und über fehlenden Nachwuchs geklagt, andererseits reagieren die Versicherer in einer Art und Weise darauf, die man alles andere als zukunftsweisend und nachhaltig für die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Versicherungsbranche bezeichnen kann.

Dazu passt auch die gewünschte Ausweitung von ungeschützten Arbeitsverhältnissen mit einer „Probezeit“ von bis zu 4 Jahren. Darüber hinaus wird billigend in Kauf genommen, dass diese Menschen mit mehrjährigen Befristungen keine reale Chance haben, eine persönliche Lebensplanung vornehmen zu können.

Die geforderte Ausweitung der Tarifbilliglöhne war zu befürchten, nachdem zuvor der Fehler begangen wurde, dem agv dieses Einfallstor zu öffnen. Diese agv-Forderung in dieser leistungsfähigen Branche ist besonders entlarvend. Diese Einkommen bewegen sich am Rande des Existenzminimums und tragen nicht nur zur Schwächung der Kaufkraft bei sondern führen auch zur Altersarmut. Nach Angaben der Bundesregierung muss man 45 Jahre Vollzeit für mindestens 10 Euro arbeiten, um im Alter eine Rente zu bekommen, die dem Hartz IV Satz entspricht. Tarifgruppe A liegt komplett unter diesen Bedingungen, B noch in der Eingangsstufe. Kommt dann noch Teilzeitarbeit hinzu oder auch nur eine Unterbrechung für Elternzeit, muss im Alter aus Steuergeldern auf Hartz IV Niveau aufgestockt werden. Den Profit haben die Versicherungsunternehmen, wir zahlen doppelt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen, dass die Beschreibung der sehr unbefriedigenden Situation eine Sache ist. Eine andere ist, wie wir damit umgehen. Dass diese Tarifrunde nicht ohne massiven Widerstand der Beschäftigten zu einem vernünftigen Abschluss führen kann, muss jedem klar sein.

Für die Gründung unserer Gewerkschaft haben wir aus unserer Sicht gute Argumente. Dass sie nicht von jedem geteilt werden, verstehen wir. Aber wir haben lediglich von einem in dieser Demokratie vorhandenem Grundrecht Gebrauch gemacht. Wir verstehen uns nicht als Gegner von ver.di, schon gar nicht als Gegner von in ver.di organisierten Mitgliedern. Deshalb haben von Anfang auf örtlicher Ebene Vertretern von ver.di unsere Zusammenarbeit und Unterstützung bei dem Organisieren von Streiks angeboten. Dies wurde leider kategorisch abgelehnt. Das finden wir ausgesprochen bedauerlich, weil wir gemeinsam mehr bewegen könnten. Auch finden wir diese Haltung nicht sachgerecht. Die dadurch herbeigeführte Spaltung der Belegschaften nützt am Ende nur den Arbeitgebern.

Wir hoffen sehr, dass ver.di diese Ablehnung noch einmal überdenkt, damit wir gemeinsam als Gegner in dieser Tarifrunde den ausmachen, der seinen Beschäftigten und den in beiden Gewerkschaften organisierten Mitgliedern das vorenthalten will, was ihnen zusteht.

An die Adresse der Arbeitgeber sei hier ausdrücklich mitgeteilt: Unternehmen Sie gar nicht erst den Versuch, die NAG gegen ver.di auszuspielen. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung!

Unanständige Angebote, wie z. B. eine nur 2%tige Gehaltssteigerung erst ab Oktober 2011 und erst ab Januar 2013 weitere magere 1,5% , mit einer Tarifvertragslaufzeit bis Ende 2013, sind inakzeptabel und fordern die Beschäftigten heraus, ihre Kampfmittel einzusetzen.