Gießen, 01.02.2017 – Die Gewerkschaft für Versicherungsangestellte NAG hat sich mit der Situation des am 31.3.2017 auslaufenden Gehaltstarifvertrages befasst und den Arbeitgeberverband (agv) zu Verhandlungen über deutliche Einkommenssteigerungen, die Ausweitung arbeitsplatzsichernder Tarifregelungen und eine Nachwuchsoffensive durch eine deutliche Steigerung der Ausbildungsplätze aufgefordert. Konkret fordert die NAG eine Anhebung der Einkommen um 5% für 12 Monate, ein inhaltlich ausgeweitetes Rationalisierungsschutzabkommen, ein zeitlich verlängertes Altersteilzeitabkommen und eine angehobene Ausbildungsplatzquote.

„Die bisher zwischen agv und ver.di ausgehandelten Gehaltssteigerungen zeichnen sich im Wesentlichen durch lange Laufzeiten und ein niedriges Niveau aus“, sagt Waltraud Baier, Vorsitzende des Vorstandes der NAG. Dadurch sei von den Versicherungsbeschäftigten über die letzten 10 Jahre eine Einkommensentwicklung unterhalb der Inflation zu beklagen. Sogar Niedriglohngruppen in Nähe des heutigen Mindestlohnes seien vereinbart worden. Diese, auch anderen Branchen gegenüber unterdurchschnittlichen Einkommenssteigerungen, haben nicht etwa zu einer Sicherung der Arbeitsplätze in der Branche geführt, sondern die Unternehmen überbieten sich gegenseitig mit ihren Programmen zum Arbeitsplatzabbau. Zugleich seien immense Investitionsprogramme in Digitalisierungsprojekte mit vorhersehbaren Gefährdungen der Sicherheit der Arbeitsplätze sowie Gewinn- und Dividendensteigerungen zu beobachten. „Die Einkommen der Assekuranzbeschäftigten haben weder mit dem Produktivitätsfortschritt der Branche noch mit der Gewinnsteigerung der Eigentümer Schritt halten können.“, zeigt Baier auf.

Denkbar sei aus Sicht der NAG auch, über Anschubfinanzierungen für betriebliche Altersversorgungen zu Tarifregelungen zu kommen. „Das würde der Branche im gegenwärtigen Diskussionsumfeld über betriebliche Altersversorgung nicht nur gut zu Gesicht stehen, sondern auch ein notwendiges Statement zum eigenen Geschäftsmodell beinhalten“, so Baier. Auch die Sicherheit der Arbeitsplätze würde immer weiter abnehmen. Das bislang zwischen den Tarifparteien vereinbarte Rationalisierungsschutzabkommen würde dem bei weitem nicht ausreichend begegnen. „Deshalb haben wir dem agv eine ausgeweitete Vereinbarung vorgeschlagen, die vom Arbeitsplatzverlust Betroffene wesentlich stärker schützt“, so die Gewerkschafterin. Zudem bedürfe es dringend einer zeitnahen Umkehr der Ausbildungsplatzpolitik der Unternehmen. „In vielen Versicherungsunternehmen wird die demographische Entwicklung vollkommen ausgeblendet“, sagt Baier. Während der Gesamtmarkt den Wettbewerb um die Potentialträger der Zukunft längst aggressiv betreibe, blende ausgerechnet die Branche, zu deren Kerngeschäft die Tiefenkenntnis über demographische Zusammenhänge gehört, die Erfordernis rechtzeitiger Nachwuchssicherung in nicht zu verantwortender Weise aus. „Kurzfristiges Renditedenken schlägt in vielen Häusern eine langfristige Strategie“.

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