Verhandlungen nach unzureichendem Arbeitgeberangebot vertagt

Die zweite Runde der diesjährigen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten des privaten Versicherungsgewerbes wurden ohne Ergebnis vertagt. Das Angebot der Arbeitgeber wurde von den Gewerkschaften als unzureichend abgelehnt.

Der Arbeitgeberverband (AGV) gab folgendes Angebot ab:

  1. Eine lineare Anhebung der Tarifgehälter (einschließlich Tätigkeits- und Verantwortungszulagen) sowie der Vergütungen für Auszubildende um 2,5 % ab 1. Oktober 2013 und um weitere 2,0 % ab 1. Oktober 2014.
  2. Sechs sog. „Null-Monate“ (April bis einschließlich September 2013), in denen der alte Gehaltstarifvertrag vom 21. Juli 2011 unverändert fortbesteht.
  3. Laufzeit des neuen Tarifvertrages: 30 Monate (also bis 30. September 2015).

Herr Dr. Beutelmann, Verhandlungsführer des AGV, bewertete dieses Angebot als „ausgewogen und angemessen“. Er verwies insbesondere auf die erhebliche Vorbelastung aus dem Jahr 2012, da die letzte Tarifanhebung (um 2,2 %) erst drei Monate vor Jahresende erfolgt war. Daraus resultiere der Vorschlag, sechs sog. „Null-Monate“ vorzusehen, so dass bis zur nächsten linearen Anhebung – am 1. Oktober 2013 – wieder eine Zeitspanne von zwölf Monaten liege.

Die Gewerkschaften hatten unterschiedliche Forderungen an den Arbeitgeberverband gerichtet.

So fordert ver.di 6,5 Prozent mehr Gehalt inkl. aller Zulagen (mindestens jedoch 160 Euro), eine Erhöhung der Auszubildendenvergütungen um 60 Euro. Die Laufzeit des Vertrages soll 12 Monate betragen.

Der DHV fordert eine Gehaltserhöhung in zwei Stufen in Höhe von insgesamt 7,0 %. Zum 01.04.2013 sollen die Gehälter um 3,8% steigen, zum 01.01.2014 um weitere 3,2%. Die Laufzeit des Vertrages soll 18 Monate betragen.

Auch wir haben dem Arbeitgeberverband unsere Vorstellungen übermittelt.

Die NAG fordert eine Anhebung der Einkommen um 6,6%. Diese setzt sich wie folgt zusammen: 1,8% Inflationsausgleich, 3,8% Teilhabe am Produktivitätsfortschritt, 1% Differenzaufholung zu durchschnittlich besseren Abschlüssen anderer Branchen. Zudem wollen wir einen materiellen Ausgleich für Kolleginnen und Kollegen, die durch weite Anfahrtswege zur Arbeit, die sich ja nicht selten infolge von Zentralisierungs- und Restrukturierungsplanungen der Arbeitgeber ergeben haben, besonders belastet sind, sowie einen materiellen Ausgleich für Belastungen infolge der Tätigkeit in Ballungszentren mit besonders hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten.

Die Bedrohung der Arbeitsplatzsicherheit durch Zentralisierung, Rationalisierung, flächendeckende Abgruppierung und Outsourcing nimmt immer stärker zu. Deshalb fordert die NAG eine deutliche Ausweitung der Arbeitsplatzsicherheit in der Versicherungswirtschaft durch eine massive Ausweitung des Rationalisierungsschutzabkommens. Das Angebot des AGV ist nicht nur weit von den Forderungen der Gewerkschaften, sondern auch weit entfernt von in diesem Jahr bereits erzielten Abschlüssen anderer Branchen, wie der Post (3,1% in 2013, 2,6% in 2014), der Deutschen Bahn (3 % in 2013, 3% in 2014) oder der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie (3% in 2013). Es spiegelt in keiner Weise die Leistungen der Beschäftigten wieder.

Unser Gewerkschaftssekretär Jürgen Stachan nahm die Hauptversammlung der Allianz SE zum Anlass den Vorstand der Allianz aufzufordern, seinen Einfluss im Arbeitgeberverband im Sinne der Beschäftigten zu nutzen. "In vielen Beiträgen der Aktionäre ist deutlich geworden: Sie wollen, dass ihre ALLIANZ verantwortungsvoll mit Kunden, der Umwelt und den Menschen umgeht. Das gilt auch für die Beschäftigten. Deshalb ist es einem Schwergewicht der Versicherungsbranche unwürdig, den Beschäftigten ein Tarifangebot zu machen, dass effektiv 1,8% für 30 Monate bedeutet. Bringen Sie Ihr Gewicht beim Arbeitgeberverband ein, damit in der nächsten Runde ein Angebot erfolgt, dass Wertschätzung der Beschäftigten und ihrer Leistungen zum Ausdruck bringt!" Mit diesem Worten forderte Jürgen Stachan Herrn Diekmann auf, seine Möglichkeiten im Arbeitgeberverband zu nutzen, um für die Beschäftigten zügig zu einer angemessenen tariflichen Gehaltserhöhung zu kommen!

Die nächste Verhandlungsrunde findet am 07.06.2013 in Hamburg statt.

Wir bereiten uns darauf vor, unseren Teil dazu beizutragen, dass die Verhandlungen am 07.06.2013 zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden können.