Mit Ernüchterung haben die Beschäftigten der Versicherungswirtschaft den Tarifabschluss zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband aufgenommen. Fünf Nullmonaten folgen übersichtliche Einkommenssteigerungen und eine Laufzeit von 24 Monaten. Im Vorfeld hatte ver.di erfolglos versucht, die Beschäftigten zu mobilisieren und dabei im Vergleich zur letzten Tarifrunde einen Rückgang bei der Teilnahme an Aktionen um nahezu 40% hinnehmen müssen. Der ausgebliebene Arbeitskampf, die lange Laufzeit und das niedrige Abschlussniveau lassen den Tarifabschluss die Züge eines Gefälligkeitstarifvertrages von Arbeitgeberverbands Gnaden aufweisen. Darüber kann auch die gemeinsame Erklärung der Tarifpartner zur Übernahme der Auszubildenden nichts ändern, denn sie hat keinerlei bindende Wirkung für die Arbeitgeber. Von vergleichbaren Erklärungen ist in der Vergangenheit auch keine positive Veränderung der in vielen Unternehmen sehr restriktiven Ausbildungsplatz- und Übernahmepolitik ausgegangen.

Ver.di rechtfertigt den enttäuschenden Abschluss im Rahmen ihres Facebook-Auftrittes zur Tarifrunde nicht nur mit der deutlich zurückgegangenen Mobilisierung der Beschäftigten, sondern mit dem Fehlen von Schlüsselfunktionen in der Assekuranz, die für einen wirkungsvollen Arbeitskampf erforderlich wären. Das ist sehr bemerkenswert, weil sie vor Gericht die Tarifmächtigkeit der NAG in Zweifel zieht. Ver.di muss sich also fragen lassen: Ist der Verlauf dieser Tarifrunde, erst recht der dürftige Abschluss, etwa Ausdruck von Tarifmächtigkeit? Nach den von ihr selbst im Statusverfahren gegen die NAG postulierten Anforderungen ganz sicher nicht.

Der ebenfalls tarifvertragsschließende Arbeitnehmerverband DHV kritisiert in seiner Pressemitteilung den Tarifabschluss ebenfalls in deutlichen Worten. Ernüchternd sei die Tatsache, dass der Tarifvertrag fünf Leermonate ohne Einmalzahlung enthalte. Allenfalls sei der Abschluss mit den Herausforderungen, vor denen die Branche stehe, zu rechtfertigen.

Wir von der NAG können dem Abschluss wenig Positives entnehmen und halten ihn für unangemessen niedrig. Einmal mehr sind die Beschäftigten unter Wert verkauft worden. Das Niveau wird weder der Leistungsfähigkeit der Branche noch der Leistung der Beschäftigten gerecht. Es fällt hinter die Ergebnisse anderer vergleichbarer Branchen zurück und ist der beste Beleg dafür, dass die Arbeitgeber sich in der vorteilhaften Situation befinden, für die Versicherungswirtschaft Tarifabschlüsse weitgehend einseitig festlegen können.